DIE WELTWEITE FINANZKRISE.
Das Theaterstück zu einem hochaktuellen Thema
"TANZ DER NARREN" von Bernhard Cremer
Die derzeitige weltweite Finanzkrise mit den fast täglich neuen Katastrophenmeldungen über das Zusammenbrechen renommierter, weltweit operierender Bankinstitute und den Abstürzen der internationalen Börsen offenbart, wie sehr und eigentlich schutzlos unsere globalisierte Welt den verheerenden Auswirkungen des Turbo-Kapitalismus ausgesetzt ist, bei dem es nur noch darum geht, die möglichst höchste Rendite zu erzielen, egal mit welchen Mitteln. Wenn auch nur ein Steinchen aus diesem vielfach nur aus Luftbuchungen gebauten Gefüge herausbricht, fällt das gesamte Kontrukt im Domino-Effekt in sich zusammen.
Was derzeit weltweit im Großen geschieht, das behandelt Bernhard Cremer in seinem Stück "Tanz der Narren" im kleinen, im privaten Bereich: Die Reduzierung des Menschen in unserer kapitalistisch geprägten Gesellschaft allein auf seine wirtschaftliche Funktion in einem nur noch vom Kommerz und dem Streben nach Geld bestimmten Leben.
Der mit seiner aktuellen Lebenssituation höchst unzufriedene Mertens betreibt einen nicht sehr lukrativen Kiosk mit Lotto-Annahmestelle und einem bescheidenen Getränkemarkt. Er ist vom Wunsch nach Geld und kommerziellem Erfolg geradezu besessen und ist zu allem bereit, um dieses Ziel zu erreichen. Seine Lebensgefährtin Helga leidet darunter, daß es in seiner Gedankenwelt keinen Raum mehr für andere Dinge gibt und er unfähig geworden ist, das Leben in seiner Vielzahl zu erleben. Der gemeinsame Freund Bodo dagegen hat früh seine Lebensentscheidung getroffen: er verweigert sich dem Zeitgeist, der in Geld und Erfolg die allein seligmachenden Werte sieht. Doch auch ihm gelingt es nicht, Mertens von seinem verhängnisvollen Wahn abzubringen: der läßt sich auf ein abenteuerliches finanzielles Spiel mit dem Multimillionär Brinkmann ein, dem es eine sadistische Freude bereitet, Mertens durch riskante, große Renditen versprechende Finanzoperationen in den Ruin zu treiben. Am Ende hat er alles verloren, Helga hat ihn verlassen, nur Bodo ist ihm geblieben. Er beginnt zu begreifen, daß Bodo mit seiner Lebensphilosophie so falsch nicht lag.
08.10.2008