AUF EIN NEUES Eine Komödie von Antoine Rault. Aus dem Französischen von Annette und Paul Bäcker, 2 D, 1 H, 1 Dek. Frei zur Deutschsprachigen Erstaufführung
Mit seinen Stücken "Der Kaimann", "Le Diable Rouge", Hannah's Dämon" und "Leben und sonst gar nichts" wurde Antoine Rault in den letzten Jahren zu einem der erfolgreichsten französischen Dramatiker. Jetzt hat er erstmals eine Komödie mit dem Titel "Auf ein Neues (Un nouveau départ)" geschrieben, die zur Zeit mit großem Erfolg in Moskau gespielt wird.
Cathérine ist eine selbstbewußte und erfolgreiche Powerfrau Mitte Vierzig. Obwohl geschieden und allein erziehende Mutter hat sie dank ihrer Energie und ihres Duchsetzungsvermögens Karriere in ihrem Beruf gemacht und hat nun einen verantwortungsvollen und gut dotierten Job. Weniger erfolgreich ist sie in ihrer Karriere als Mutter ihrer halbflüggen, aufmüpfig nervenden sechzehnjährigen Tochter Sarah, die sich von der dominierenden Mutter vernachlässigt, gegängelt und unterdrückt fühlt.
Als Cathérine Heilig Abend vor ihrer Wohnungstür über Michel stolpert, einen ca. 50 jährigen abgerissenen und angetrunkenen Clochard, der sich vor der Kälte in das schicke Haus in einem der angesagten Viertel von Paris geflüchtet hat, schmeißt sie ihn erbarmungslos raus. Sarah ist empört, sie beschimpft ihre Mutter als herzloses, eiskaltes Monster, das zu keiner Liebe, geschweige denn Nächstenliebe fähig sei. Jetzt ist Cathérine empört und um das Gegenteil zu beweisen, holt sie den Penner samt seiner paar Habseligkeiten kurzerhand zurück und lädt ihn ein, Weihnachten zusammen mit ihnen zu feiern, schließlich ist es ja das Fest nicht nur des Nehmens, sondern vor allem des Gebens.
Und sie kann jede Menge geben! Vor allem Orientierung! Um z.B. der irritierten Sarah zu zeigen, daß sie in der Schule gefälligst zu lernen hat, um nie so zu werden wie Michel. Als sie beim Esssen durch penetrantes Nachfragen herausgefunden hat, warum Michel zu dem wurde, der er nun ist, steht ihr Plan fest: Sie wird aus diesem heruntergekommenen, verunsicherten und unglücklichen Menschen voller Zukunftsängste wieder einen zivilisierten Menschen machen. Erste drakonische pädagogische Maßnahme: ab unter die Dusche, hoch unters Dach ins Dienstmädchenzimmer als feste Bleibe und ein neues, teures, modisches Outfit - und los geht es mit dem Erlernen des Wiedereingliederungsprozesses. Wäre doch gelacht, wenn sie es nicht schaffen würde, Michel wieder zu einem nützlichen Mitglied der menschlichen Gesellschaft zu machen.
Natürlich gehen die Rollenspiele, die Cathérine dafür initiiert, nicht ohne Schmerzen ab, ohne Abstürze, ohne Konflikte, ohne Katastrophen. Doch Cathérine bleibt eisern bei ihren Resozialisierungsversuchen und merkt dabei nicht, daß auch sie sich dabei verändert. Trotz zuweilen chaotischem Verhalten entwickeln die drei auch Verständnis füreinander. Sarah entdeckt in Michel die vermißte Vaterfigur, und Cathérine, diese vom alltäglichen Leben hart gewordene Frau, wird auf einmal wieder zu Gefühlen fähig.
Ihre und Sarah's hektische Versuche, Michel mit der ständigen Anweisung "Auf ein Neues" in eine neue starke Persönlichkeit zu verwandeln, die sich am Arbeitsmarkt behaupten kann, zeigt Antoine Rault als eine amüsante Satire über den Zusammenhang von seelischer Wohlstandsverarmung und dem Mechanismus von sozialem Aufstieg - aber auch als eine Möglichkeit, zu einem Füreinander zu kommen, zu einem Miteinander, hier in diesem Fall sogar zu einem dreifachen Happy Ende.
09.06.2011