"Die Wahrheit oder Von den Vorteilen, sie zu verschweigen, und den Nachteilen, sie zu sagen" (Arbeitstitel)
Eine Komödie in sieben Szenen von Florian Zeller
Aus dem Französischen von Annette und Paul Bäcker
2 D, 2 H
Schon mit seinen ersten Theaterstücken "Der Andere", "Der Dreh" und "Wenn du tot wärst" begeisterte Florian Zeller die französische Theaterkritik. Ihr Urteil war einhellig: Ein hochbegabter Dramatiker, von dem in Zukunft noch viel zu erwarten ist.
Mit seinem neuesten Stück "Die Wahrheit oder Von den Vorteilen, sie zu verschweigen, und den Nachteilen, sie zu sagen" (Arbeitstitel) ist ihm nun ein veritabler Theatercoup gelungen und schon heute kann man diesem Stück eine glanzvolle Karriere vorhersagen. Eine hinreißende, höchst raffiniert geschriebe Komödie mit einem geschliffenen, pointierten Dialog. Bewundernswert, wie dramaturgisch durchtrieben Zeller mit immer neuen und überraschenden Wendungen und Volten die Handlung vorantreibt. Immer wenn man glaubt, die Wahrheit zu wissen, wird sie unvermittelt wieder auf den Kopf gestellt, so daß man bis zum überraschenden Schluß in Atem gehalten wird.
Der Uraufführungsregisseur von Yasmina Rezas Welterfolg "KUNST", Patrice Kerbrat, wird die Uraufführung mit Pierre Arditi (dem Yvan in der Uraufführung von "KUNST") in der Hauptrolle im Théâtre Montparnasse in Paris inszenieren.
Als "Ein Spiel von Lüge und Wahrheit" könnte man Zellers Komödie bezeichnen. Für seinen verheirateten Protagonisten Michel ist Wahrheit etwas mehr als Zweifelhaftes. Deshalb bevorzugt er die Lüge, denn sie sei eine Tugend, weil sie es erlaubt, das Leiden zu vermeiden. In der Wahrheit sieht er nur die Vorteile, sie zu verschweigen, und die Nachteile, sie zu sagen: "Wenn die Leute von heute auf morgen aufhören würden, sich zu belügen, gäbe es kein einziges Paar mehr auf Erden. Und in einer gewissen Hinsicht wäre das das Ende der Zivilisation" ist sein Credo. Und er hat in der Tat allen Grund, die Wahrheit zu meiden, hat er doch seit sechs Monaten ein Verhältnis mit Alice, der Ehefrau seines besten Freundes Paul. Doch die bekommt zusehends Schuldgefühle, nicht nur ihrem Mann gegenüber, sondern auch gegenüber Michels Ehefrau Laurence. Das ständige Versteckspielen, die immer neuen Lügen belasten ihr Gewissen und sie will endlich reinen Tisch machen. Michel ist damit gar nicht einverstanden: "Du belügst ihn nicht, Alice. Du sagst ihm nur nicht die Wahrheit. Das hat nichts miteinander zu tun. Es wäre egoistisch, ihm die Wahrheit zu sagen, nur um dein Gewissen zu erleichtern", argumentiert er. Hat er sie damit überzeugt? Er ist sich nicht so sicher, denn bei einem Treffen erzählt ihm Paul von seinem Verdacht, daß Alice ihn seit Monaten betrügt. Hat sie also doch geplaudert? Als er sie zur Rede stellt, gesteht sie ihm, daß sie Paul tatsächlich ihr Verhältnis mit ihm gestanden hat. Michel ist empört. Eben noch hat er mit Paul gesprochen und obwohl der Bescheid wußte, wurde er schamlos von ihm angelogen, angelogen von seinem besten Freund. Plötzlich sieht er sich in der Rolle des Opfers, denn er muß feststellen.daß auch Alice ihm nicht die ganze Wahrheit gesagt hat. Und wie steht es mit Laurence? Sollte auch Sie ...? Unvermittelt wird der Lügner von seinen eigenen Lügen eingeholt und in der Folge weiß er nicht mehr, wo ihm der Kopf steht. Er, der bis dahin fest davon überzeugt war, sein verzwicktes Liebesleben im Griff zu haben, wird zum Spielball der Anderen und die Wahrheiten, die ihm jetzt um den Kopf fliegen, entziehen ihm den Boden unter den Füßen.Wie sagte schon La Rochefoucauld: "Die feinste aller Listen besteht darin, sich geschickt so zu stellen, als ob man in die Falle ginge, die einem gelegt wird: Denn niemand wird so leicht getäuscht, als wer einen anderen zu täuschen glaubt."
Mehr soll vom Inhalt nicht verraten werden, lassen Sie sich von den immer neuen Überraschungen und Konstellationen überraschen, denen sich der charmante betrogenen Betrüger gegenübersieht.
08.02.2010