theater-verlag-desch      

Eric-Emmanuel Schmitt "EINSTEINS VERRAT"
Aus dem Französischen von Annette und Paul Bäcker
3 H, 1 Dek

Die Deutschsprachige Erstaufführung findet voraussichtlich im Mai 2012 im Schloßparktheater Berlin statt.

Schmitt's neues Stück "Einsteins Verrat" zeichnet in sieben, zwanzig Jahre umfassenden Szenen, wie Albert Einstein bis zu seinem Tod 1955, trotz seiner Größe, sein Scheitern zu verstehen sucht. Sein Scheitern in den großen Umbrüchen des 20. Jahrhunderts: physikalische Revolution, Nazi-Wahn, Ohnmacht und die Verantwortung der Wissenschaft für den atomaren Schrecken. Überzeugt, dass Deutschland versuchen würde, die Atombome herzustellen und sie einzusetzen, schreibt er einen verhängnisvollen Brief an Präsident Roosevelt, in dem er ihn auffordert, diese verheerende Bombe zu bauen, allerdings nur zur Abschreckung, um ein Ende des Krieges herbeizuführen.

Drei Männer am See, Princeton/New Jersey: ein Vagabund, der seinen Sohn im Krieg verloren hat und deswegen die Deutschen hasst; Einstein, der weltberühmte Wissenschaftler, ein Deutscher, der ob der Zeitläufte vor den Deutschen in die USA geflohen ist; und Simpson, ein Agent des FBI, der in diesem Deutschen roten Verrat wittert, sein Judentum für eine Tarnung des Bolschewismus hält und den Vagabunden erpresst, Einstein zu bespitzeln.
In anrührenden und bewegenden Bildern, in menschlich tiefen Dialogen voll hintergründigem Humor, weiß Schmitt die Widersprüche des überzeugten Pazifisten Einsteins - durch das aggressive Nazi-Deutschland jedoch zum Bellizisten geworden - den "Mythos Einstein" zu hinterfragen und einen Menschen mit Güte, Wärme, Witz, aber auch mit allen Zweifeln und Selbstzweifeln im Umfeld des vergangenen Jahrhunderts zu zeigen. In einem Jahrhundert, in dem die Wissenschaftler die Grundfesten der Physik erschütternd, das Weltbild radikal veränderten und der Menschheit das Mittel der Selbstvernichtung in die Hand gaben. Und Einstein wird klar, daß er in dieser verhängnisvollen Entwicklung eine zentrale Rolle gespielt hat.
Einstein begreift seinen "Verrat" als einen zweifachen: als Selbstverrat, weil er als Pazifist für den Baum der Bome eintrat,um die deutsche zu verhindern, und als Verrat an ihm durch die Leute, die sie dann tatsächlich gegen die Japaner eingesetzt haben.

08.03.2011