"Ersticken" (Choke) Ein Stück von Cathleen Rootsaert
Deutsch von Christiane Buchner
1 D, 2 H,1 Dek.
Deutschsprachige Erstaufführung 5. Februar 2011 Schauspiel Essen
Die Botschaft von Kanada in Deutschland hat 2006 eine Auswahljury ins Leben gerufen, um auf neue kanadische Theaterstücke aufmerksam zu machen.
Die Juroren Remsi Al Khalisi (Dramaturg, Theater Potsdam), Eva Behrend (Theaterkritikerin), Barbara Engelhardt (Publizistin, Herausgeberin und Übersetzerin), Christian Holtzhauer (Dramaturg, Staatstheater Stuttgart) und Andrea Zagorski (Projektkoordinatorin, Internationales Theaterinstitut Zentrum Deutschland -Juryvorsitzende) haben in diesem Jahr aus über 100 Stücken in englischer oder französischer Sprache fünf Stücke ausgewählt, die sowohl durch ihre sprachlichen als auch thematischen Qualitäten überzeugen und einen guten Einblick in die facettenreiche zeitgenössische kanadische Dramatik bieten.
Wir haben aus diesen fünf Stücken Cathleen Rootsaertes Stück "CHOKE (Ersticken)in unser Verlagsangebot übernommen.
Cathleen Rootsaert(geb. 1970 in Winnipeg, Manitoba) arbeitet als Schauspielerin, Regisseurin und ist als Autorin für Bühne, Radio und Fernsehen tätig. Zu ihren Theaterstücken zählen "Choke", "After You", "House of Cats", "Make Me", "Legacy" und "Mimi Amok". Rootsaert ist zweifache Preisträgerin des Elizabeth Sterling Haynes Award for Outstanding New Play und erhielt für ihr im Stil des magischen Realismus geschriebenes Stück "Abigail in Twilight" den Großen Preis der Alberta Playwriting Competition.
Begriffe wie Karriere oder Verantwortung spielten im bisherigen Leben von Dylan und Greg eine eher untergeordnete Rolle. Dylan ist Anfang 30, wohnt bei seiner Mutter Catherine, hat weder Ausbildung noch Beruf und träumt davon als Astronom für die NASA zu arbeiten. Wäre ein super Job, doch bis er den hat, raucht er noch etwas Haschisch, spielt eine Runde mit der X-Box und berichtet seiner Online-Freundin Mai-Lee von den täglichen Herausforderungen. Sein älterer Bruder Greg hat seinen Schülerjob nie aufgegeben und blickt inzwischen auf eine 15jährige Karriere in der Gemüseabteilung eines Supermarktes zurück. Zwar hat er eine eigene Wohnung und ist seit sechs Jahren verlobt, doch auch er verbringt die meiste Zeit im Haus seiner Mutter und zieht schließlich wieder ganz zurück, als seine Freundin ihn vor die Entscheidung - Heirat oder Trennung - stellt. Keine Frage, die verwitwete Chatherine hat viel Verständnis für Ihre Jungs und sichert deren Rundumversorgung.
Diese "Familienidylle" erfährt jedoch einen dramatischen Einschnitt, als die Mutter einen Schlaganfall erleidet. Greg will die Mutter in ein Heim bringen, er kann sich nicht vorstellen, mit seinem Bruder für sie zu sorgen und sie zu pflegen. Dylan jedoch zeigt nun eine völlig überraschende Seite. Er weigert sich, die Mutter ins Heim zu geben und kümmert sich aufopferungsvoll um ihre Pflege, auch dann, als der überforderte Greg das Haus verläßt.
Eine im Grunde einfache Geschichte, die auf der einen Seite knallhart erzählt wird, etwa wie Gregs Verhalten seiner Mutter gegenüber beschrieben wird. Aber nie macht das Stück den Fehler, die Rollen genau fest zu legen, ins Klischee zu rutschen, ein Gut-und-Böse-Raster über die Geschichte zu legen. Greg verhält sich hart, ja, aber er bekennt sich auch zu sich, zu seinem Leben, er tut etwas. Dylan scheint der Loser zu sein, ein Verlierer und Drückeberger, ein ewiger Sohn. Aber als es darauf ankommt, als es der Mutter sehr schlecht geht, drückt er sich nicht. Und er zeigt Ausdauer. In ihrer schonungslosen Realitätsschau sucht und findet die Autorin immer wieder das Menschliche, das Humane der Figuren. Und sie führt diese auch zur Ehrlichkeit, den anderen und sich selbst gegenüber.
Cathleen Rootsaert beschreibt in "Ersticken" weder eine perfekte Familie noch gestörte Familienverhältnisse, sie begleitet vielmehr drei Menschen in einer Ausnahmesituation. Besonders für Dylan wird dieses Ereignis zum Wendepunkt in seinem Leben.
In kurzen Szenen und pointierten Dialogen erählt die Autorin eine berührende Geschichte ohne sentimental zu werden. Eine echte Tragikomödie!
07.05.2010