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"Zu dir, gelobtes Land (Vers toi terre promise)" Dentaltragödie von Jean-Claude Grumberg
Aus dem Französischen von Felix Prader
2 D, 2 H, Simultandekoration
Frei zur Deutschsprachigen Erstaufführung

Für dieses Stück wurde Jean-Claude Grumberg in diesem Jahr mit dem "Prix Molière" als bester französischsprachiger Autor und mit dem Großen Preis der französischen Theater-Kritik ausgezeichnet.

Die Uraufführung in einer Inszenierung von Charles Tordjman fand im November vergangenen Jahres als Co-Produktion mit dem "Théâtre du Rond-Point Paris" und dem "Grand Théâtre de Luxembourg" im "Théâtre du Jeu de paume" in Aix-en-Provence statt. Nach einer ausgedehnten Tournee wurde das Stück von Anfang März bis Mitte April 2009 im Théâtre du Rond-Point gespielt und wurde jetzt wegen des übergroßen Erfolges ab Mitte September im Théâtre Marigny in Paris wieder aufgenommen.

Jean-Claude Grumberg geht in seinem Stück "Zu dir, gelobtes Land" von einer Kindheits-Erinnerung aus: den langen Sitzungen, die er als Kind beim Zahnarzt verbringen mußte. Ein Chor, wie in der klassischen Tragödie, führt uns in dieser "Dentaltragödie" in die Praxis des Charles Spodek und seiner Frau Clara. Der kleine Jean-Claude wird im Stück in der Person des "Autors" zum Erzähler und Kommentator und erinnert sich an die häufigen Sitzungen, die er nach dem Krieg in dieser Praxis zu durchleiden hatte, in der zwei Frauen weinten - seine verwitwete Mutter und Clara, die ihre beiden Töchter verloren hat. Eine, Jeannette, ist nicht aus Auschwitz zurückgekommen, "reduziert zu Rauch, verflogen, aufgelöst im kalten Himmel Polens" und die Andere lebt in einem Kloster, in das die Eltern sie gebracht hatten, um sie vor dem Zugriff der Gestapo zu retten. Doch jetzt weigert sich das Kloster, das junge Mädchen ihren Eltern zurückzugeben.

"Kinder, deren Eltern tot sind, nennt man Waisen, es gibt jedoch kein Wort für Eltern, die die Waisen ihrer Kinder sind" läßt Grumberg den Chor in seinem Stück sagen. Wie soll man leben nach dem, was man in den 50iger Jahren noch nicht Shoa nannte? Wie soll man leben, wenn man seine Kinder verloren hat? Was bleibt, wenn es nichts mehr gibt? Wenn man einen Zahn verliert, wächst der entweder nach, oder man ersetzt ihn. Doch ein geliebtes Wesen, das man verloren hat, kann man nicht ersetzen. Man kann auch kein Land durch ein anderes ersetzen, wenn man kein Vaterland mehr hat. In "Zu dir,gelobtes Land" befragt sich Grumberg, was es bedeutet, wenn man all das verloren hat, was ein Leben ausmacht. 1942 mußte Charles Spodek aufgrund der antijüdischen Gesetze seine Zahnarzt-Praxis verlassen. Erst nach langen Kämpfen erhält er sie 1945 zurück. Doch dazwischen hat er seine beiden Töchter verloren, denn die Ältere hat beschlossen im Kloster zu bleiben, sie konvertiert und wird Schwester Marie-Thérèse von Christi Auferstehung. Sie werden sie nie wiedersehen.

Nach und nach begreifen die Spodeks, keine Heimat mehr zu haben, und ohne große Überzeugung wächst in ihnen das Bedürfnis, sich eine neue Heimat zu suchen. In Israel? Warum nicht. Was erwartet sie dort? Auf dem Schiff, das sie nach Israel bringt, wird das von Carmelterinnen gesungene christliche Lied "Zu dir, gelobtes Land" bald von chassidischen Gesängen überlagert, in die sich immer stärker der Gesang des Muezzin mischt. Wo ist man bei sich zuhause? Wo ist wirklich ihr zuhause?

Durch die Hereinnahme des Chores (gespielt von einer Schauspielerin und einem Schauspieler, die auch sämtliche übrigen Personen des Stückes spielen) gelingt es Grumberg meisterhaft, diese schreckliche und dunkle Geschichte mit anscheinend großer Leichtigkeit - und noch erstaunlicher -mit viel Humor zu erzählen. Man ist bestürzt, bewegt, erschüttert und gerührt von der Geschichte der Spodeks und trotzdem lacht man fortwährend, doch meistens ist es ein Lachen, das einem im Halse stecken bleibt.

Die Kritikerin des "Le Figaro" schrieb über die Aufführung: "Um es kurz zu sagen: 'Vers toi, terre promise', das zur Zeit im Téâtre du Rond-Point gespielt wird, ist ein Meisterwerk!"

22.05.2009