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Kiki van Beethoven
Ein Monolog von Eric-Emmanuel Schmitt
Aus dem Französischen von Annette und Paul Bäcker
1 D, 1 Dek.
Frei zur Deutschsprachigen Erstaufführung

Eine amüsant plaudernde, spannende, ergreifende, tiefsinnige und zuweilen auch äußerst komische, vor allem aber sehr persönliche Fabel mit den zentralen Fragen: Wer bin ich, wer sind die Anderen, wer sind wir alle zusammen? Eine schmerzvolle, aber auch schwungvolle Reise in das eigene Ich und in die wunderbare Welt der Musik von Beethoven. Ein philosophisches Märchen in der Folge von Schmitts Monodramen "Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koren" und "Oskar und die Dame in Rosa" und wieder ein hinreißendes und begeisterndes Solo für eine Schauspielerin im gesetzten Alter.

Angefangen hat alles bei einem Trödler, bei dem Kiki eine Maske von Beethoven entdeckte, die zu ihrem Entsetzen stumm war. Hatte sie doch in ihrer Jugend, sobald sie eine Maske oder Büste von ihm sah, sofort seine Musik, seine Melodien im Ohr. Nun nicht mehr. Auch ihre Freundinnen in der Seniorenresidenz "Zum Lila Flieder", mit denen sie dort wohnt und denen sie die Maske zeigt, hören nichts. Obgleich jede von ihnen früher beim Klavierunterricht stundenlang Beethoven geübt hat. Jetzt ist die Maske auch für sie verstummt, obwohl ihr Mund den Eindruck erweckt, als wolle er ihnen etwas sagen. Was ist passiert? Ist Beethoven stumm für sie geworden, oder sie, so sie wie er im Alter, taub? Ein Geheimnis, das untersucht werden muß.
Und wie in einem Krimi enthüllt nun Kiki mit viel Witz, großer Schnauze und scharfer Beobachtungsgabe bei jeder ihrer Freundinnen die dunklen Punkte in deren Leben, die sie verdrängt haben, sich aufzuarbeiten weigern, mit denen man jedoch ins Reine kommen muß. Zoé, die ihren Kummerspeck auf ihr ewiges Pech mit Männern zurückführt und nun plötzlich die selbstlose Liebe entdeckt; Rachel, die stolze Jüdin, die nie akzeptieren konnte, daß sie als Einzige ihrer Familie den Holocaust überlebt hat und nun bei einem Besuch in Auschwitz damit umzugehen lernt; Candie, die aus Hass aufs Alter durch Sonnenstudios, Home-Trainer und Liftings den Verfall ihres Körpers aufzuhalten versucht, und nun begreift, daß alle Mittel dagegen sinnlos sind
Und Kiki selbst? Deren Sohn Selbstmord begangen hat? Den sie nie aus ihrer Erinnerung gestrichen hat? Schuld daran ist für sie nur die verhaßte Schwiegertochter. Die Wahrheit allerdings, die könnte sie durch einen Abschiedsbrief ihres Sohnes erfahren, den zu lesen sie sich bisher weigerte, da an eine Bedingung geknüpft, die zu erfüllen sie erst jetzt bereit ist: noch einmal den Weg nach Compostela zu gehen, den sie mit ihm als Zehnjährigen gegangen ist. Pilgern als Parabel zum Leben - dieser Weg wird auch für Kiki zu einem Gang in die Vergangenheit. Mit schonungsloser Offenheit dringt sie in ihre tiefsten Tiefen vor, fördert, förmlich durch Zweifel und Wut auf ihrem Weg vorwärts getrieben, Verdrängtes und Erschreckendes zutage; bis sie dann, in Compostela angekommen, den Brief liest und endlich zum Loslassen und zu einem neuen befreiten Leben bereit ist. Und da beginnt auch für sie wieder die Maske zu "singen": die "Ode an die Freude".

08.02.2010