"MYLADY" von Eric-Emmanuel Schmitt
Ein Stück in sechzehn Bilder nach Alexandre Dumas
Aus dem Französischen von Annette und Paul Bäcker
5 D, 12 H, 1 K (Doppelbesetzungen sind möglich)
Frei zur Deutschsprachigen Erstaufführung
"Mylady" ist eine sehr persönliche Adaptation Eric-Emmanuel Schmitts von Alexandre Dumas' berühmtesten Roman "Die drei Musketiere". Er stellt Mylady von Winter in den Mittelpunkt des Stückes und erzählt dadurch - wenn man so will - eine weibliche Version "Der drei Musketiere". Vielleicht sogar eine feministische Version?
Er selbst sagt dazu: "Wenn 'Die drei Musketiere' die Geschichte von Jungs ist und den Jungs so gefällt, dann deshalb, weil es in ihrem geheimen Zentrum eine unglaublich schöne Frau gibt, intelligent, sinnlich, unberechenbar, deren Umarmung köstlich oder tödlich sein kann, manchmal beides zugleich: Mylady von Winter.
Seien wir ehrlich: mit Constance Bonacieux lebt d'Artagnan eine gemütliche Liebe, vertrauensselig, ruhig, eine Liebe, die nach Eintopf riecht: ja, Constance - das sagt schon ihr Name - ist die Art von Frau, die einen zum Ehemann macht, zu einem Monsieur Bonacieux, selbst wenn man ihr Liebhaber ist; mit ihr wird man alt und bekommt einen Bauch. Mylady dagegen bedeutet Abenteuer, Atemlosigkeit, Mangel an Schlaf, Überraschungen, Verrat, Unsicherheit, leidenschaftlichen Sex, Gewissenbisse, Hoffnungen, gebrochene Versprechen, erschöpfte Morgen. Mit ihr wird das Leben reich, aufregend, aber es endet böse. Mylady, das bedeutet die vergiftete Verführung, sie führt Männer in den Ruin. Das ist die Meinung d'Artagnans. Doch Mylady ist eine viel ambivalentere Person, denn sie ist gleichzeitig Henker und Opfer. Opfer ihrer Familie, ihrer Epoche und der Männer. Ihre Eltern wurden während der Religionskriege ermordet. Sie wird in ein Kloster gesteckt und entflieht daraus, indem sie einen Priester verführt. Sie muß sich der Männer bedienen, um ihre Unabhängigkeit als Frau zu erlangen. Dumas hat ein komplexes Universum erschaffen, in dem keine Person eine klare, vollkommene, moralisch akzeptable Haltung besitzt. Richelieu zum Beispiel, der große Diener Frankreichs, ist auch eine verschlagene, perverse Persönlichkeit. Mylady, das ist die Ambivalenz der Begierde, die köstlich oder tödlich sein kann.
Das Stück beginnt wie eine Abenteurer-Komödie, doch es ist gleichzeitig auch die wahre Tragödie einer Frau, die sich dahinter abspielt. Alle Ingredienzen der Mantel- und Degenstücke sind vorhanden, doch was die Intrige vorantreibt, das ist die Psychologie von Mylady. Die Spannung resultiert aus ihrer Vergangenheit, aus den Motivationen ihrer Rache. Warum läßt sie sich von Kardinal Richelieu einspannen, wo sie doch schön, reich und frei ist? Dadurch aber wird sie zur Hauptfigur der Geschichte. Selbst d'Artagnan erscheint wie eine Nebenfigur und Richelieu findet seinen Platz im Stück nur durch sie. Letztendlich versucht das Stück, diese ungewöhnliche, möderische Frau in gewisser Weise zu verstehen, ohne sie zu veruteilen."
Ein ideales Stück für eine Freilichtaufführung!
21.12.2010