theater-verlag-desch      

SPRENGSÄTZE von Roland Hüve
Der in Köln lebende Autor Roland Hüve studierte an den Universitäten Köln und Paris, lernte in der freien Theaterszene, als Regieassistent beim WDR in Köln (Hörspiel)und im Düsseldorfer Schauspielhaus. Erste Regiearbeiten in der freien Szene der 80er Jahre und als Studioregisseur. Seit 1993 Inszenierungen u.a. in Düsseldorf, Göttingen, Osnabrück, Bielefeld, Krefeld, Köln, Augsburg, Tübingen, Oldenburg. 2005 - 2007 Oberspielleiter am Theater Augsburg.

In seinem Stück "Sprengsätze" verlieben sich zwei Menschen in den Vierzigern ineinander. SIE ist Ärztin und kurz davor, sich zu verheiraten; ER verweigert jegliche Angabe zu seiner Identität. Ein Spiel um Wahrheit und Liebe beginnt.
Währendessen beschäftigt die Öffentlichkeit eine Serie von Selbstmordattentaten. Ziel sind Orte, die zum Zeitpunkt der Anschläge menschenleer sind: Bürogebäude, Tankstellen, Geschäfte, Fernsehstudios. Keine Organisation übernimmt die Verantwortung. Die einzigen Opfer sind die Selbstmordattentäter selbst, zwischen denen es aber keine Verbindung zu geben scheint. Bis auf eine: Alle hinterlassen eine Abschiedsbotschaft in Form eines kurzen Super-8-Films.

Die Verbindung der beiden Ebenen, die sich personell nicht berühren, ist vom Autor äußerst geschickt geschrieben. Die Liebesgeschichte zwischen SIE und ER ist in seinen knappen und prägnanten Dialogen sehr gut erzählt. Es ist ein spannendes Spiel, in das sich irgendwann Ungeduld einschleicht. Wissen-wollen, vor allem weil SIE das Geheimnisvolle nicht aushält. Dagegengesetzt, die in die Kamera erzählten Monologe der Selbstmordattentäter, in denen sie von ihrem gescheiterten Leben berichten. Diese Lebensbeichten sind allesamt sehr berührend, aufwühlend und höchst spannend. Und schnell versteht man als Leser/Zuschauer, daß diese Figuren etwas mit denen zu tun haben, von denen wir im Dialog von SIE und ER nebenbei erfahren. Eine große Qualität besteht darin, daß der Autor dadurch, daß er in die Geschichte der Beiden geschickt Spuren, geheimnisvolle Anspielungen und (falsche?) Fährten einstreut, das Ende offen gestaltet, man nicht erfährt, wer ER denn nun eigentlich wirklich ist und auch nicht wer SIE letztendlich ist.


10.12.2010