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Uraufführung "Belvedere" von Ana-Maria Bamberger
Zu einem großen künstlerischen Erfolg wurde die Uraufführung von Ana-Maria Bambergers Stück "Belvedere" in der "Kontraste"-Reihe der Komödie Winterhuder Fahrhaus in Hamburg. In der Inszenierung von Hartmut Uhlemann spielen Lutz Herkenrath, Antje Otterson und Marion Elskis. Nachstehend einige Auszüge aus den durchweg begeisterten Kritiken:

SCHÖNE AUSSICHT AUF DOPPELTEM BODEN
"Belvedere" nennt Ana-Maria Bamberger ihr raffiniert verwobenes Psychospiel, das jetzt als Uraufführung in der Kontraste-Reihe in der sehr fein zwischen Komödiantik und würgender Ernsthaftigkeit ausbalancierten Regie Hartmut Uhlemanns glänzende Aufnahme fand.
Bamberger, Ärztin und Psychologin, weiß wovon sie schreibt. Sie verfügt aber gleichzeitig über die Gabe, medizinische Sachverhalte und Handlung spannend und dialogisch so hintergründig bissig zu verbinden, dass sich der Zuschauer immerfort fragt, was nun Wirklichkeit und was Fiktion ist. Ob die Personen, die sichtbar agieren, den Fantasien eines kranken Hirns entspringen, die sich als Gedanken- und Erinnerungsmonolog mit verschiedenen Stimmen äußern? Gewitzt dreht Anton den Spieß um: "Können Sie mir beweisen, daß Sie keine Halluzination sind?" fragt er die ihn behandelnde, Nägel kauende Ärztin. Sie kann es nicht, und auch wir werden buchstäblich irre, denn kaum glauben wir durch Hinweise die Wahrheit zu kennen, schickt uns der zynische Anton ins spekulativ Ungewisse.
Nichts ist greifbar. Auch nicht die Ärztin (Antje Otterson), die der geheimnisvollen Fremden als Freundin (Marion Elskis) ähnelt.Beide tauchen auf und verschwinden zwischen den symbolisch als Verwerfungen angeordneten Platten. Sie rutschen weg wie Gedanken von Anton, den der überragende Lutz Herkenrath so beklemmend wie sprunghaft spielt. Er ist ein eitler Pedant beim Lösen offenbar bekannter, schwierigster Kreuzworträtsel, ein sich in Gedankenschleifen verlierender Wahnsinniger zwischen Lachen nahe am Weinen, zwischen lauernder Freundlichkeit und aasiger Hinterhältigkeit, zwischen kindlicher Bockigkeit und unberechenbaren Wutanfällen. Er ist ein gefährlicher Psychopath, dem wir spät auf die Spur kommen. Großartig.
Die Welt vom 29.3.2010

ANA-MARIA BAMBERGERS PSYCHOSPIEL "BELVEDERE" FESSELT IN DER WINTERHUDER KOMÖDIE
Ana-Maria Bamberger führt in ihrem Psychospiel ""Belvedere" den Zuschauer dramaturgisch raffiniert aufs Glatteis. Ihren Grenzfall zwischen Krankheit und Kreativität halten Regisseur Hartmut Uhlemann und Lutz Herkenrath als Autor Anton bei der Uraufführung im "Kontraste"-Programm der Winterhuder Komödie elegant und fesselnd in der Schwebe.
... In ihrer (selbst)ironischen Parabel hinterfragt die Autorin, zugleich Ärztin und Psychologin, die Begriffe von "Normalität". Sie zeigt die Grenzgänge künstlerischer Kreativität auf, in denen die Vorstellungskraft und das "Verrückt-Sein" so irritierend wie amüsant verschwimmen.
Hamburger Abendblatt vom 29.3.2010

ZWISCHEN FANTASIE UND HALLUZINATION
"Belvedere" gerät zum intelligenten Psycho-Spiel
... Eine eindeutige Antwort will das Psycho-Spiel um Wahn, Wirklichkeit und literarische Einbildungskraft, das Ärztin und Autorin Ana-Maria Bamberger mit "Belvedere" ersonnen hat, nicht geben. Eindrucksvoll lotet Lutz Herkenrath die Irrungen und Wirrungen des reizbaren Autors Anton aus, in dessen Kopf mit der Erinnerung an Studentenliebe Stefanie und der stets gegenwärtigen Dr. Taube zwei Frauen herumspuken, die ihn mit falschem Charme umschmeicheln.
Ein intelligentes Theatervergnügen ist so entstanden, das in der "Kontraste"-Reihe der Komödie Wintheruder Fährhaus bestens aufgehoben ist.
Hamburger Morgenpost vom 29.3.2010

FEIN GESPONNEN
... Die Frage: Was ist verrückt? wird gern im Theater verhandelt - aber Ana-Maria Bamberger stellt sie erst gar nicht. Die Autorin ... läßt das Leben in ihrem filigran gebauten Drei-Personen-Stück einfach flirren zwischen der Realität da draußen und der im Kopf. Denn wer weiß schon, ob die insistierende Ärztin, die Anton alltäglich nervt, realer ist als Steffi, die Besucherin aus der Vergangenheit? Auf jeden Fall wirkt letztere deutlich inspirierender.
Sehr luzide hat Hartmut Uhlemann die Deutsche Erstaufführung des Stücks an der Komödie Winterhuder Fährhaus in Szene gesetzt - mit Gespür für den Schwebezustand der Figuren und Sinn für die boulevardesk angehauchte Komik, die daraus entsteht. Und er hat mit Lutz Herkenrath einen brillanten Hauptdarsteller, der Antons Neurosen in eine herrlich eckige Körpersprache übersetzt und dessen Stimmungswechsel so glaubhaft macht wie die Fallhöhe vom großen Manipulator zum bockigen Elend.
Die Deutsche Bühne Mai 2010

07.05.2010