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"VATER" Tragische Farce in 15 Szenen von Florian Zeller.
Ein berührendes Stück über einen alten Mann, der an Alzheimer erkrankt ist.

3 D,3 H, 1 Dek.
Frei zur Deutschsprachigen Erstaufführung

André, Achtzig, Witwer, Vater von zwei Töchtern, merkt, dass sich etwas verändert - es verschwinden Sachen, er versteckt Gegenstände, er fühlt sich bedroht, verfolgt, er verliert die zeitliche und räumliche Orientierung: "Irgendetwas Seltsames passiert. Als hätte ich kleine Löcher. Im Gedächtnis. Kriegt keiner mit. Winzig klein. Mit bloßem Auge nicht zu sehen. Aber ich, ich spüre es ..." Er vergisst sogar, dass er vergisst. Noch lebt er allein in seiner geliebten Pariser Wohnung, versucht vor Anne, seiner älteren Tochter, den Eindruck aufrechtzuerhalten, alles sei in Ordnung, wobei es für sie ganz offensichtlich ist, dass er allein nicht mehr zurechtkommen kann. Also organisiert sie für ihn Pflegehilfen, mit denen sich aber dieser stolze und seine Würde behauptende alte Mann ständig zerstreitet. Und nun will sie mit ihrem neuen Lebenspartner nach London gehen. Was tun? Wie vorgehen?
Zeller beantwortet diese Fragen in "VATER" nun nicht in einer chronologisch linearen, sondern in einer kausalen Abfolge von (an Pinter's "Betrogen" erinnernd) 15 raffiniert verschachtelten Szenen - ein Vexierspiel von Wahn und Wirklichkeit, in dem André, mal Maulheld, mal frech und gewitzt, staunend und bangend auf all das ihm nun Befremdliche blickt, seien es die Veränderungen in der Wohnung oder die bei seinen Mitmenschen: Anne, ihr Lebenspartner Pierre, Laura, die hübsche neue Pflegehelferin, die Krankenschwester und der Pfleger, die ihm wie Spukgestalten in einem Strudel von Verdacht und Verrat erscheinen. Denn Zeller erzählt seine Geschichte konsequent aus der Perspektive des Vaters, des ungläubig Betroffenen, als eine tragische Farce, in die sich der alte Mann immer mehr verheddert, bis er am Ende aufgibt und nach seiner Mutter ruft: "Mama, ich will weg von hier.Ich will, dass man mich hier wegholt. Ich will nach Hause."
Ein theatrales Spiegelkabinett, überraschend, schräg, beängstigend, aber auch komisch und schrill: ein alter Mann auf der Spurensuche nach sich selbst, gerät in eine Welt, in der seine Biografie und die Beziehungen, die sie mitgebracht hat, nicht mehr gelten, weil diese Welt, in der sie entstanden sind, im Untergehen, im Verlöschen ist. In den vielen "unpassend" komischen Reaktionen von André zeigt Zeller ein feines Gespür für den Wechsel vom Humorvollen zum Traurigen im Prozess der Selbsterkenntnis - behutsam und sensibel, nie pathetisch oder kitschig beschreibt er in seiner ihm ganz eigenen lakonischen Sprache diese für jeden traurige Realität, obwohl er, André, sie jederzeit liebend gern für einen Witz verleugnen würde. Welch absurde Situation, wäre das Ganze nicht so tragisch - Und was für eine Rolle für einen alten Schauspieler!!!

17.11.2011