vollblutkirschen ein Theaterstück in fünf Sätzen von Martin Klaus M. Menzinger
1 D. 2 H, 1 Dek.
Frei zur Uraufführung
Der in der Schweiz geborene Autor studierte von 1988 bis 1989 an der Universität Basel Islamwissenschaften, Arabisch, Ethnologie und Kunstgeschichte. Von 1989 bis 1996 Studium an der Kunsthochschule Linz, das er mit dem Mag. Art. abschloß. Anschließend Ausübung verschiedenster Jobs als Gärtner, Töpfer, Journalist und Stationsgehilfe in einer Nervenheilanstalt. In dieser Zeit entstand ein Fundus an Textmaterial. 2006 Kündigung seines "Brotjobs", um ausschließlich zu schreiben. Seither wurde er mit mehreren Preisen ausgezeichnet: Für "Trixi Baby. Eine Curettage" erhielt er 2007 den Preis der Schweizerischen Autorengesellschaft (SSA) für das Schreiben von Theaterstücken und das Paul-Maar-Stipendium. 2009 erheilt er den Heinz-Weder-Preis der Heinz und Hannelise Weder Stiftung Bern und den Preis der OpenNet Jury der Solothurner Literaturtage. Martin Klaus M. Menzinger lebt in Linz / Oberösterreich.
In seinem Theaterstück in fünf Sätzen "vollblutkirschen" erzählt der Autor eine fast profane Geschichte: Ein Mann, der Konzertpianist Jan Svendborg von Koernenryies, hat 30 Jahre im Zuchthaus gesessen, weil er den Liebhaber seiner Frau, der Konzertpianistin Ada Svendborg von Koernenryies, umgebracht hatte. Jetzt kehrt er zu ihr zurück. Und wieder hat sie einen Liebhaber. Und wieder muß dieser - Bob Carrington Mc Chipperfield - dran glauben. Zwölf Kugeln aus der Baby Glock, wie schon einmal geschehen. Dann ertönt "Die Toteninsel" von Rachmaninov auf dem Piano, wie schon einmal geschehen. Und schließlich muß auch Ada dran glauben, "Die Hure". Und am Ende er selbst.
Eine profane Eifersuchts- und Mordgeschichte also? Nur auf den ersten Blick. Dieser nur in gewisser Weise simple Plot ist nämlich glänzend erzählt. Eine Komposition, die bisweilen wie ein reiner Klangkörper wirkt und in der die Akteure wie aus einer Maschine zu sprechen scheinen, eine Sprachmodulationsmaschine seltener Bauart. Der Autor unterbricht öfter dieses Stilmittel seiner Kunstsprache und den dadurch fast künstlich anmutenden Figuren. Wenn man sich in harmloser Irrealität glaubt, wird er plötzlich ganz konkret, gewinnen die Figuren Direktheit und das, worum es entschieden geht, betritt knallhart den Raum.
Es ist ein ganz eigenes Mittel des dramatischen Erzählens, das Menzinger bietet, und es ist in seiner sympathischen Absonderlichkeit keinesfalls L'art pour l'art, keine bloße Spielerei mit dem Merkwürdigen und abseitigen Erzählweisen. Es erweist sich am Ende als schlagkräftiges und erzählstarkes Instrument, von Menschen und ihren Abgründen zu berichten.
19.10.2009