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Wer sind Sie?
Ein Stück von Michel Lengliney
Aus dem Französischen von Birgit Leib
2D, 2 H, 2 Dek.

Michel Lengliney hat sich nicht nur als Theaterautor, sondern auch als Film- Und Drehbuchautor in Frankreich einen Namen gemacht (u.a."Voyage à Rome", "Les trois frères". der in Deutschland unter dem Titel "Alles kein Problem" gelaufen ist.) Für das Theater schrieb er u.a. "La pattemouille" (mit Michel Galabru), "Silence on aime" (mit Sabine Azéma) und "Les pieds dans l'eau" (mit Simone Valère und Jean Desailly). Sein 2002 uraufgeführtes Stück "État Critique" über Querelen im Schriftstellermilieu um Victor Hugo und den Dichter und Kritiker Charles-Augustin Sainte-Beuve mit Gérard Jugnot in der Hauptrolle, erhielt 5 Nominierungen für den "Prix Molière", darunter die Nominierung als bester französischsprachiger Autor.
In seinem neuen Stück "Wer sind Sie?" behandelt er nun ein hochaktuelles und universelles Thema: Alter und Altersdemenz.
"Wer sind Sie?" fragt die Mutter ihre eigene Tochter Audrey. Die Mutter leidet an Demenz, Alzheimer der 1. Stufe. Noch findet sie sich aber mit Hilfe Ihrer Tochter zuhause zurecht. Aber ihr Zustand verschlimmert sich, sie gleitet mehr und mehr in ihre Krankheit ab, obwohl sie in lichten Momenten noch über ihre Lebenskrise reflektieren kann.
Audrey hat ihren jüngeren Bruder kommen lassen, sie braucht seine Einwilligung , um die Einweisung der Mutter in ein Pflegeheim vorzubereiten. Doch der Arzt meint, daß eine Einweisung noch nicht nötig ist, obwohl er Zeuge wird, wie die Mutter bei der Untersuchung langsam der realen Welt entrückt, in ihre Vergangenheit taucht, ihren verstorbenen Mann, an den sie der Arzt erinnert, vor sich sieht, so wie sie ihn damals als Tochter des französischen Konsuls in Bombay kennergelernt hat.
In den 15 Szenen des Stückes entwickelt der Autor eine berührende Geschicht über diese Krankheit und wie alle Beteiligten darunter leiden, eine Geschichte, die anfangs irritiert ob der Sympathie, die die alte Dame ausstrahlt. Der Galgenhumor, der Kraft der Pfiffigkeit dieser Figur durch das Stück galoppiert, macht Mut, mit Krisen dieser Art umzugehen, auch wenn hier die Erkrankte während des Stückes langsam aber sicher der Welt abhanden kommt.
Eine weitere Stärke des Stückes besteht darin, daß Lengliney die Mutter in ihren lichten Momenten als eine witzige, selbstironische Frau zeigt, bar jeder Sentimentalität, daß er die Demente trotz der im Stück fortschreitenden Krankheit in ihr eigenes Leben fallen und es sie so zum Schluß treffen läßt, bei ihrer "unfreiwilligen" Erkundungsreise ins eigene Ich. Das hat etwas Tröstliches und macht die Traurigkeit leicht.

08.12.2009